Maus Contemporary, Birmingham

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In der malerischen Arbeit Felix Becker’s (*1987 in Frankfurt am Main) kombiniert der in Berlin lebende Künstler einen ungleichmäßigen, teilweise sehr pastosen Farbauftrag mit einer zu monochromen Farbfeldern tendierenden, geometrischen Unterteilung der Bildfläche. Die Hinzugabe der Farbe und die Erzeugung von Assoziationsflächen ist dabei gleich wichtig, wie das Abtragen des Materials und die Negation von Bedeutungsmustern.

Oftmals „flutet" Becker die gesamte Bildfläche mit einem Farbton, bis er dann entweder einzelne Bildbereiche wieder abschürft oder aus dem Körper der Farbe bestimmte Motive modelliert. Insekten, Palmen, architektonische Strukturen, offene Formgebilde, Schriftzüge oder landschaftliche Setzungen erarbeitet Becker aus dem Prozess des Malens, das heißt aus dem Gefühl für die Farbe, ihrer Konsistenz und ihrem Verhalten auf dem Bildträger. Er setzt sie als Antigestus zum Bild, als exponiertes Fremdelement in Mitten des Farbgemenges.

 

Léopold Plomteux (1920 - 2008) 

Farbstarke Pinselzüge und ergänzende pastose Spachtelspuren kennzeichnen die Oberflächen der großformatigen Arbeiten des belgischen Malers Léopold Plomteux (1920-2008), die mit einer abgestimmten Palette weniger Farben eine strähnig linear bestimmte Verfilzung von stiebenden Formsetzungen bilden. Die Anlage der in ihren Parallelzügen unterschiedlich lang und breit angelegten ausgefransten Farbinseln lassen den Untergrund teils durchscheinen und betonen auch in ihrem Segmentbogenverlauf die handgemachte impulsive Setzung.

Die sich vermittelnde Heftigkeit dieser leicht und heiter erscheinenden Malerei bildet eine strudelnde Struktur, die bewegt erscheint und sich zu verhalten scheint wie Blätter, die durch die Strömung eines Baches zusammengeschoben werden.

Von der Wilden Malerei der 80er Jahre vielleicht nicht unbeeindruckt vermittelt dieses leicht entschleunigte Gewimmel eine Variante der abstrakten Malerei, die weder auf geometrische Formwelten, noch auf biomorphe Naturanspielungen, noch auf Gegenstände Bezug nimmt. Die abstrakte Malerei entstand zunächst aus der vereinfachenden Abstrahierung von Naturvorbildern. Mit den frei kombinierbaren Formmitteln (Geometrie, Biomorphes, Lineares, Struppiges, Kratzer, eingestreutes Material) begannen seit den 30er Jahren Maler sowohl wieder zur Figuration zurückzukehren als auch eigenständig konkretisierend zu komponieren, ohne noch auf Naturvorbilder Bezug zu nehmen (daher Konkrete Kunst, obwohl populär „die Wirklichkeit“ als konkret angesehen wird). Da man nichts wiedererkennen kann, ist man hier vollends darauf angewiesen, die Resonanzwirkung des Bildes zu spüren und eigene Assoziationen zu finden. Auch der Anblick eines Blumenstraußes mit seinen ungeordneten Subformen vermittelt solcherart freudige oder sonstige feine Empfindungen.

Farbe und Form drücken in den Werken des Malers eine heitere bzw. gefestigt ernste Lebendigkeit aus, einen Strudel selbstbewusster Farben, die als verdichtetes Treiben kein bedrohliches Chaos vermitteln, sondern eine Verfugung individueller Formen bilden – Formen, die nicht gegeneinander arbeiten oder gleichgerichtet einem Ordnungsschema folgen, sondern ein Andocken und sich Einfügen in vielfältige Subströmungen zum Ausdruck bringen. Indirekt vielleicht ein Bild einer entspannten Demokratie, in der übergreifende (Strömungs-) Kräfte durchaus verformend wirken, aber Eigenständigkeiten der Schwarmteilnehmer den Gesamtverlauf mitbestimmen. Ein derartig freies Gefüge hat der Künstler von realistischen Anfängen und strengen Flächenabstraktionen als eigene Ausdrucksform in den letzten Jahrzehnten entwickelt und variantenreich verfeinert.

 

Für Mafalda Figueiredo’s Volta Basel Projekt präsentiert die in Berlin lebende portugiesische Künstlerin eine Serie neuer Gemälde. Am bekanntesten ist die in Lissabon geborene Künstlerin für Ihre oftmals großformatigen Arbeiten auf Leinwand, die subtil und differenziert sexuelle Normen, Sitten, Geschlechtsidentität und -erwartungen, sowie die Feinheiten und Komplexität von Träumen dekonstruieren. Figueiredo’s Arbeiten verbinden die Farbspannung und -empfindlichkeit des Fauvismus mit dem Humor und Stil des Neo-Expressionismus. Fest in der Gegenständlichkeit verankert, nutzt die Künstlerin Körper und Sinnlichkeit um ihre scheinbar geradlinigen, doch unerwarteten, Interpretationen zwischenmenschlicher Beziehungen mit dem Zuschauer zu teilen.

Ölfarben erlauben Figueiredo weite Farbbereiche und somit erzeugt sie ein Gefühl figurloser Zweidimensionalität in ihrer malerischen Traumwelt, und erbaut somit eine erschreckend direkte Narrative: aus der Leinwand starrende Wesen locken den Zuschauer an; ihr gemaltes Motiv wird beobachtet und scheinbar kontrolliert der Betrachter den Blick. Figueiredo verwendet das Selbstporträt als Werkzeug. Sie stellt sich selbst dar, stehend vor einem Tisch - die Wahrnehmung einer bestehenden Gemeinschaft heraufrufend - und doch ein Gefühl im Zuschauer erzeugend, lediglich in der Peripherie des Geschehens zu agieren. Vielleicht spielt sie Murmeln, nackt, und Fragen kindlicher Spiele hereinrufend, oder was es bedeutet, zu reifen, den wahren Sinn des Spieles zu deuten. Vielleicht ist die eigentliche Fragestellung darüber, was es bedeutet, sich im Wettstreit zu befinden, zu gewinnen. Die Implikationen sind vielfältig und komplex. Figueiredo zeigt wie sie sich dem Alltäglichen widmet, alltäglichen Aufgaben nachgeht, stellt diese Tätigkeiten jedoch als Erinnerungen oder Repräsentationen einer Transformation dar.

In ihrer Arbeit geht es nicht um Subtilität, sondern um die Erforschung einer hochentwickelten Form tiefer Lektüre; eine visuelle Argumentation mithilfe von Scheinschlüssen, durch die eine in Wirklichkeit grundsätzlich unbeweisbare objektive Realität erschlossen werden soll, ähnlich der Traumdeutung. Sich auf ein breites Spektrum reichhaltiger kunstgeschichtlicher und sozialer Formen und Bewegungen stützend, darunter Konzeptualismus, Feminismus, sowie gegenständliche Malerei, zeigen Figueiredo’s großformatige Arbeiten auf Papier dennoch eine faszinierende und unerwartete Zurückhaltung. Durch ihre vertraute Sprachweise und zugänglichen visuellen Vokabular erwirken die Arbeiten der Künstlerin einen ruhigen, sachlichen, jedoch äußerst konzeptreichen und fragestellenden Dialog. Figueiredo ebaut ihre Arbeiten zwar aufgrund ihrer anklagenden Reise in eine schlaf- und traumgetriebene Welt der Fantasie und des Schicksals, offenbart jedoch auch deren Subtilität und Einfachheit in jedem Bild.

 

Japanese artist Yoshishige Furukawa’s paintings shown at Volta Basel date from the mid-1960’s to the mid-1970s, created while the artist was living in New York, where he moved to from Japan in 1963. The selection of works includes examples of the his 1960s abstractions as well as later work, clearly showing a shift in the artist’s practice - from a traditional, paint-based, to a process-based, minimalist approach, which ultimately culminates in the artist’s rare process-based object paintings from 1972 to 1976, several of which are on display at Volta Basel. The non-color of black or white, and the solid sense of the materials used such as canvas or rubber, reflect a rather reticent and ascetic impression of 1970’s art. Despite this, the various variations that were woven by the often geometric forms, continued to evoke dynamic senses of motion and expression that were alike in appearances but different in nature from the regularly repetitive element inherent to Minimalism.

Furukawa’s work was the subject of two major retrospectives at the Fukuoka Prefectural Museum of Art in 1992 and 2015. Several of the paintings included in our exhibition were also included in said retrospectives, as well as in the recent Museum’s publication. Furukawa’s work is in numerous important Japanese Museum collections, including the National Museum of Modern Art in Tokyo; the National Museum of Art in Osaka; the National Museum of Modern Art in Kyoto; the Fukuoka Art Museum in Fukuoka; the Kitakyushu Museum of Art; the Museum of Modern Art in Saitama; and the Saga Prefectural Art Museum; amidst others.

His work has been exhibited in the U. S. and Japan throughout his life, including the Albright-Knox Museum in Buffalo, NY in 1991. He’s the recipient of numerous important grants, twice from the Pollock-Krasner Foundation (in 1990 and 1997).

“I am most interested in developing a visual space with color and forms on a visual plane. I start with the physical materials that a painter uses and then make changes based on intuition and on my reactions to the forms and colors present. When I am out walking, I may see a road, a construction site, working people, a tree, or the sky, and I try to incorporate the feeling of these visual physical things in my work. All of them have the power to cause me to ponder the relationship between the physical shape or material and mental reaction. Other influencing factors include the weather or conditions affected by time, body or even the sound of wind.” – Yoshishige Furukawa, 1997

Felix Becker
ohne Titel (back)
2018, Oil on linen, 25 x 20 cm.
Felix Becker
ohne Titel
2018, Oil on linen, 105 x 70 cm.
Felix Becker
ohne Titel (vertebra 12)
2018, Oil on linen, 180 x 130 cm.
Felix Becker
ohne Titel (velvet)
2018, Oil on canvas, 90 x 75 cm.
Léopold Plomteux
sans titre
1985, Oil on canvas, 210 x 270 cm.
Léopold Plomteux
sans titre
1984, Oil on canvas, 205 x 300 cm.
Léopold Plomteux
sans titre
1984, Oil on canvas, 205 x 300 cm.
Léopold Plomteux
sans titre
1984, Oil on canvas, 270 x 205 cm.
Mafalda Figueiredo
Frogs and deers and potatoes and tomatoes
2018, Oil on canvas, 160 x 200 cm.
Mafalda Figueiredo
Suddenly I can’t breathe
2018, Oil on canvas, 150 x 180 cm.
Mafalda Figueiredo
Two faced
2018, Oil on canvas, 80 x 60 cm.
Mafalda Figueiredo
Resting bitchface in the forest
2017, Oil on canvas, 165 x 115 cm.
Yoshishige Furukawa
Untitled
1965, Acrylic on canvas, 148.8 x 130.2 cm.
Yoshishige Furukawa
Untitled
1972, Wood, metal, thread, canvas, 41 x 36 cm.
Yoshishige Furukawa
C-11
1976, Industrial rubber, canvas, thread, 84 x 89.5 cm.
Yoshishige Furukawa
C-17
1976, Industrial rubber, vinyl, canvas, thread, 84 x 89.5 cm.